Kirchenrenovierung

Aktionen rund um die Kirchenrenovierung - Presseberichte

Bilder

Was kann man tun, um die Kirchenrenovierung zu unterstützen?

Der aktuelle Stand unseres Spendenbarometers

Die Außenrenovierung der Bergkirche Zwingenberg

von Stefan Wolff, Dipl.-Ing. Architekt

 

Logo_KirchenrenovierungSichtbare Schäden im Innenraum der Bergkirche Zwingenberg, zum Teil durch eindringendes Regenwasser oder Risse in Wand- und Deckenbauteilen, waren Anlass von Seiten der Kirchengemeinde Zwingenberg, in Abstimmung mit der Ev. Regionalverwaltung Darmstadt, eine Renovierung des historischen Kirchengebäudes zu planen. Um den erforderlichen Renovierungsaufwand zu ermitteln, sollten im Rahmen einer Voruntersuchung einzelne Gebäudebereiche untersucht, ein ggf. vorhandenes Schadensbild dokumentiert und Lösungen zur Schadensbehebung aufgezeigt werden. Hierfür wurden ein Architekt, der Verfasser des nachfolgenden Artikels, und abhängig vom jeweiligen Bauwerksbereich zusätzlich Sachverständige beauftragt. Deren Untersuchungsarbeiten wurden zusammengefasst und ausgewertet. Für die sich daraus ergebenden erforderlichen Renovierungsarbeiten wurde vom Architekten eine Kostenberechnung erstellt. Der Schwerpunkt der Voruntersuchung beschränkte sich zunächst auf die Bauwerkserhaltung, d.h. die Außenrenovierung des Gebäudes mit Dachtragwerk, Dachdeckung und Fassade. In einem zweiten Teil der Bearbeitung wurden Kosten für erforderliche Arbeiten im Freibereich des Kirchhofs ermittelt. Die erforderlichen Arbeiten und Kosten für die Innenrenovierung der Bergkirche waren noch nicht Gegenstand der Untersuchungen und müssen in einer separaten Voruntersuchung, z.B. nach Abschluss der Außenrenovierungsarbeiten, ermittelt werden.

Vom Landesamt für Denkmalpflege wurde zusätzlich eine bauhistorische Voruntersuchung beauftragt, da die Bergkirche mit ihrer noch mittelalterlichen Bausubstanz von besonderem baugeschichtlichem und wissenschaftlichem Interesse ist. Auf Grund der schwierigen Zugänglichkeit des Dachraums konnte hierzu zunächst nur eine Ersteinschätzung abgegeben werden, die feststellt, dass die Dachtragwerke von Mittelschiff und Chor in ihrer Grundsubstanz noch aus dem Mittelalter stammen und bis spätestens Ende des 15.Jahrhunderts errichtet wurden. Von höchster bauhistorischer Bedeutung ist dabei die nahezu unveränderte Holzkonstruktion des Chordachs, mit, zumindest für Hessen, einmaliger Tonnenkonstruktion (s.h. Grafik des Bauhistorikers).

Die Holzkonstruktion der Dachstühle von Kirchenschiff und Chor wurden von einem Statiker und Holzgutachter überprüft und dabei ein nicht unerheblicher Reparaturaufwand für die Erhaltung der Dachtragwerke festgestellt. Auslöser für die umfangreichen Reparaturarbeiten sind geschädigte Holzbauteile auf Grund eines zurückliegenden Schädlingsbefalls. Dieser Schädlingsbefall wurde 1958 erfolgreich bekämpft, es liegt nach Aussagen der Holzgutachter kein aktiver Schädlingsbefall mehr vor. Die Holzkonstruktion ist dadurch jedoch mit Schadstoffen hoch bis sehr hoch belastet. Alle Arbeiten an der Holzkonstruktion müssen daher mit Schutzmaßnahmen ausgeführt werden, den Sicherheits– und Gesundheitsvorschriften entsprechen und zusätzlich überwacht werden.
Neben der Notwendigkeit Holzverbindungen neu zu fügen sind es vor allem die Schäden an den Fußpunkten der Dachkonstruktionen, die umfangreiche und kostenintensive Reparaturarbeiten notwendig machen (s.h. Foto, Holzschaden Dachfußpunkt). Für die Reparaturarbeiten muss das Dach geöffnet werden und die Dachdeckung dadurch in Teilbereichen erneuert werden.
Weiterhin wurde festgestellt, dass durch den barocken Dachstuhlumbau im Hauptschiff, mit Durchtrennen der mittelalterlichen Deckenbalkenlage und Einstellen einer Holztonnenkonstruktion, die Zugkräfte am Dachfußpunkt nur unzureichend aufgenommen werden können. Dies führt zu Verformungen und Spannungen im Anschlussbereich der Dachstuhlkonstruktion und Gefährdung der Standsicherheit des Dachstuhls. Daher müssen hier horizontale Zugbändern aus Stahl eingebaut werden, die in Gesimshöhe des Tonnenfußes den Kircheninnenraum queren und so die beiden gegenüberliegenden Fußpunkte miteinander verspannen.
Auch der Turmbereich wurde inspiziert. Hierbei wurden aber keine wesentlichen Schäden festgestellt. Dies ist auf die Erneuerung der Turmhelmkonstruktion um 1910 zurückzuführen. Im sonstigen Turmbereich sind Kleinreparaturen an den alten Deckenbalken und Balkenauflagern auszuführen.
 

Der Zustand der Dacheindeckungen wurde von einem Gutachter vor Ort überprüft. Der im Untersuchungsbericht festgestellte Reparaturbedarf ist für ein Schieferdach nach fast 35 Jahren Nutzungsdauer nicht ungewöhnlich. Rinnen und Fallrohre müssen erneuert werden, defekte Schiefersteine ausgetauscht oder ergänzt werden. Auch die Wandanschlüsse sind durchgängig reparaturbedürftig und müssen erneuert werden. Bei den anstehenden Reparaturarbeiten an den Dachstühlen von Hauptschiff und Chor wird voraussichtlich ca. 50% der Dachfläche geöffnet werden müssen. Nach Abschluss der Reparaturarbeiten müssen diese Dachflächen wieder neu mit Schiefer gedeckt werden.
Weitere Voruntersuchungsbereiche waren die Natursteinbauteile, wie Sandsteinfenstergewände und Epitaphien (Gedenktafeln) in der Fassade, sowie die Putzfassade an sich. Auch für diese Bereiche wurde der Renovierungsaufwand ermittelt.
In einem zweiten Teil der Voruntersuchung wurden erforderliche Arbeiten im Freibereich des Kirchhofs erfasst und die Kosten hierfür ermittelt. Die hier erfassten Arbeiten betreffen die Sanierung der WC-Anlage mit Umbau für eine rollstuhlgerechte Nutzung, die Anlage von drei PKW Stellplätzen auf der Rückseite des Kirchengebäudes, sowie die Erstellung eines barrierefreien Zugangs zur Kirche von der Rückseite des Kirchengebäudes zum Seiteneingang auf der Südseite. Weiterhin wurden hier auch Sanierungs- und Konservierungsarbeiten an den bestehenden Grabmälern im Kirchhof und an den Stützmauern auf der Süd- und Ostseite erfasst.

Nach Abschluss der Voruntersuchungsarbeiten wurden Gespräche von Seiten der Kirchengemeinde mit Vertretern der Kirchenverwaltung über die mögliche Realisierung der erforderlichen Arbeiten geführt. Dabei zeigte sich die Notwendigkeit, auch um die Kosten auf verschiedene Haushaltsjahre zu verteilen, die anstehenden Renovierungsarbeiten in drei Bauabschnitten zu realisieren. Ziel ist es, mit dem 1.Bauabschnitt 2014 zu beginnen und hierbei die dringend notwendigen Reparaturarbeiten an den Dachtragwerken von Hauptschiff und Chor mit den dazu erforderlichen Nebenarbeiten durchzuführen. Da hierzu aus Sicherheitsgründen ein Gerüst in den Kircheninnenraum gestellt werden muss, ist die Kirche während des 1.Bauabschnitts nicht nutzbar. Die Kosten für die Arbeiten des 1.Bauabschnitts werden sich voraussichtlich auf 436.000,-€ belaufen. Der 2. Bauabschnitt, der die Fassadenarbeiten mit Sanierung der Sandsteinbauteile, sowie die Reparaturarbeiten an der Turmdachdeckung vorsieht, ist für die Jahre 2015 oder 2016 vorgesehen. Die Bergkirche wird hierfür von außen eingerüstet ist aber ansonsten voll nutzbar. Die Kosten des 2.Bauabschnitts werden nach aktuellem Kostenstand ca. 304.000,-€ betragen. Der 3.Bauabschnitt beinhaltet die bereits beschriebenen Arbeiten im Außenbereich des Kirchhofs. Die Kosten hierfür belaufen sich nach aktuellem Stand auf ca. 200.000,-€.

Fazit

Die Voruntersuchung zeigt, dass für die Bergkirche Zwingenberg in fast allen Gebäudebereichen erheblicher Renovierungsbedarf besteht.
Sichtbare Fassadenverschmutzungen und zum Teil stark verwitterte Sandsteinbauteile zeigen dies optisch bereits deutlich. Die Einregenstellen im Innenraum, sowie Risse im Mauerwerksbereich der Dachkonstruktion zeigen, optisch weniger sichtbar, dass die Dachstühle als Ganzes in Bewegung sind und langfristig dadurch die Gebäudesubstanz gefährdet wird. Um die Dachkonstruktionen zu stabilisieren empfiehlt es sich, die beschriebenen Holzbauarbeiten durchzuführen.
Nicht zu handeln oder nur in Teilbereichen zu renovieren bedeutet einen weiteren Substanzverlust des Gebäudes hinzunehmen und zu einem späteren Zeitpunkt noch kostenintensivere und schwieriger werdende Instandsetzungsarbeiten durchführen zu müssen.

130910_Schnitt Hauptschiff u. Chor, Bauhistoriker Reck

Schnitt Hauptschiff u. Chor, Bauhistoriker Reck

130910_Defekter Dachfusspunkt 001

Defekter Dachfusspunkt

130910_Foto Tonnendachkonstruktion Chor

Tonnendachkonstruktion Chor